Die Schatten von Westminster – Band 1

Romantischer Spaziergang an der Themse

Lesespuren & Hintergründe zur Sebastian St. Cyr-Serie – Band 1

Was sich entspinnt

Der Roman beginnt bereits im Prolog sehr ereignisreich: in einer alten, dunklen Kirche am späten Abend des 29. Januar 1811, kurz vor Beginn der Regency-Ära. Eine junge Dame schleicht sich heimlich hinein, da sie zu einem „außergewöhnlichen Geschäft“ mit einem Herren verabredet ist.

Nach einer durchwachten Nacht wartet ein junger, unkonventioneller Adliger im nebligen Morgengrauen auf seinen Gegner, um ein illegales Duell auszutragen.

Wenige Stunden später, am selben Morgen, entdeckt der Küster von St. Matthew of the Fields vor dem Altar die blutüberströmte Leiche einer jungen Frau.

Der Mörder wird von einem Wachtmeister schnell identifiziert. Es kann niemand anderes sein als Sebastian St. Cyr, Viscount Devlin, der ein eindeutiges Beweisstück am Tatort zurückgelassen hat. 

Doch dem Viscount ist die Tote völlig unbekannt.

Er flieht bei seiner Verhaftung und muss als Gejagter unweigerlich selbst zum Jäger werden, will er seine Unschuld beweisen. Zugute kommen ihm dabei nicht nur seine außergewöhnlichen Fähigkeiten, sondern auch die unerwartete Hilfe eines kleinen Taschendiebes.

Bald hat Sebastian eine Liste von Verdächtigen zusammengetragen, denen er nach und nach auf den Zahn fühlt. Bei jedem finden sich Hinweise , die sowohl für als auch gegen eine Täterschaft sprechen. Ihre Verstrickungen in Intrigen und Spionagetätigkeiten werden zunehmend sichtbar, die rasch aufeinanderfolgenden Ereignisse immer turbulenter. Dabei läuft Sebastian die Zeit davon.

Was sich erschließt

Der spannungsgeladene Krimi besticht durch die ausgeklügelte Verschleierung des wahren Mörders. Während Sebastian die Puzzleteile einsammelt, kristallisieren sich sein Charakter, seine seelischen Verletzungen und inneren Konflikte Stück für Stück heraus.
Auch seine Verbündeten und Gegner, ihre Verhaltensweisen und ihre Beziehungen zueinander sind glaubwürdig gestaltet.

Verstreut finden sich mehr oder weniger dezente Hinweise auf den Zeitgeist. In einem Streitgespräch mit seinem Vater erwähnt Sebastian die „Irrlehren der Jakobiner“, deren Gedankengut – wieder einmal – zu starken Spannungen zwischen Tories und Whigs führt.
Sebastians Vater, der Earl of Hendon, ist durch und durch ein Tory und ein entschiedener Gegner der Jakobiner. Obwohl Sebastian im Halbinselkrieg gegen die Franzosen gekämpft hat, ist unterschwellig spürbar, dass er der einen oder anderen Idee der Jakobiner offen gegenübersteht.

Die wechselnden Schauplätze mit ihrer dichten Atmosphäre, die Schilderung des luxuriösen Lebens der Adligen ebenso wie der Armut in den Elendsvierteln ist bewegend und wirkt nach.

Für mich war dieser historische Krimi mehr als nur eine fesselnde, rasante Mörderjagd.
Es war das Miterleben schicksalhafter Entscheidungen in einer Zeit tiefgreifenden Umbruchs zwischen Tradition und Fortschritt auf allen Ebenen.

Beim Lesen von Die Schatten von Westminster hatte ich allerdings manchmal das Gefühl, den Überblick über Namen, Titel oder historische Zusammenhänge zu verlieren. Ich habe mir eine kleine Liste zu diesem Figurenensemble erstellt, die ich hier gerne zur Verfügung stelle.

Mehr über die Bedeutung der Jakobiner für England und warum der Begriff Anfang des 19. Jahrhunderts so brisant war, findest du im Leseführer.

Die Schatten von Westminster

Autorin: C.S. Harris
Originaltiel: What Angels Fear
Übersetzung: Katharina Radtke
Epoche: Regency-Ära
Genre: Historischer Kriminalroman
Verlag : Digital Publishers
Reihe: Sebastian St. Cyr, Band 1